UFO - DIE TV SERIE

Kultserien im Fernsehen: UFO

Kultserien im Fernsehen

"Dass auch Frauen bei Shado Karriere machen konnten, bewies Leutnant Gay Ellis,
Kommandantin der Mondbasis. Niemand hätte von der bildhübschen Fünfundzwanzig-
jährigen vermutet, dass sie sich ihre Zeit damit vertrieb, in der Einsamkeit
des Mondes die Flugbahnen der fliegenden Untertassen zu ermitteln und sie
gleich vernichten zu lassen..."
(aus: "UFO - In den Fängen der Außerirdischen" von W. Klesl und V. Straub)
Straker: "Darf ich Ihnen eine Zigarette anbieten?"

 

General Henderson: "Zigarette! Die Außerirdischen entführen uns einen Wissenschaftler nach dem anderen und Sie bieten mir eine Zigarette an."

 


Ende der 70er-Jahre erlebte der Science-fiction-Film, der im Fernsehen nie tot gewesen war, seine Kino-Rennaisance. Aufgestachelt durch den sagenhaften Erfolg von Regisseur George Lucas "Star Wars" investierten andere Studios in den offensichtlich gewinnbringenden Trend (was sich schlussendlich auf die Special-effects-Technologie aus- und damit bis in die Computerindustrie hineinwirkte. Nicht umsonst ist die Computeranimationsfirma "Pixar", die Talente wie John Lasseter hervorgebracht hat, eine Division von "Industrial Light & Magics", George Lucas' Trickfilm-Company, die an jeder aufwendigeren Produktion mitarbeitet). Die Paramount-Studios investierten eine Menge Geld in die Visionen eines noch nicht allzu bekannten Regisseurs, der eben erst mit "The Sugarland Express" und "Der weiße Hai" erste Erfolge feiern hatte können. Steven Spielbergs "Unheimliche Begegnung der Dritten Art" wurde zum Blockbuster des Jahres 1977: Eine rührige Story um überirdisch freundliche Außerirdische, die am Ende sogar eine Handvoll Menschen mit auf die große Reise in die unendlichen Weiten nehmen. Weitere Regisseure entdeckten ihre märchenhafte Ader, etwa John Carpenter, der seinen "Starman" als friedlichen Besucher auf die Erde schickte, als wäre die Bosheit schon lange ausgestorben (auf den Film folgte übrigens bald die gleichnamige TV-Serie, die das Schicksal von Jeff Bridges Sohn auf's Korn nimmt). Die Wassermänner hatten das Ruder übernommen und führten ihr Publikum in neue, friedvolle Gewässer (die sich nur allzu oft als stehende TV-Tümpel erwiesen).

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In den sechziger und siebziger Jahren, in denen das Fernsehen gerade seinen weitesten Ausflug zum Mond an Bord der Apollo-Kapsel hinter sich gebracht hatte, widmete sich das englische Fernsehen intensiv der Science-fiction - ohne allerdings mit Klischees aufzuräumen sondern um aus dem Vollen zu schöpfen. Regisseur Gerry Andersons 28-teilige "U.F.O."-Serie hatte mit Friedensbotschaften nichts im Sinn: Er ließ ordentlich die Korken knallen, inszenierte mit bescheidenen Mitteln perfekte Weltraumschlachten und erntete - anders als Spielbergs hochgelobte "Unheimliche Begegnung" - den Tadel der Kritik. Anderson verzichtete auf jegliche Grauwerte und legte die Fronten von vornherein fest: Menschen = Good Guys, Aliens = Bad Guys.
Der Plot: Irgendwo im Weltraum dreht sich ein ausgebrannter Planet um seine Sonne, ohne Ressourcen, ohne Zukunft. Seine Bewohner sind steril, zum Sterben verurteilt, aber sie beherrschen sowohl die Kunst der Organtransplantation wie auch - glücklicherweise! - die des überlichtschnellen Raumfluges. Die Aliens entdecken die Erde und den Menschen als willkommenen Spender der so dringend zum Überleben benötigten Innereien. Von da an gibt's kein Halten mehr: Ohne auch nur ein einziges Mal mit einer irdischen Regierung Kontakt aufzunehmen, beginnen die grünhäutigen Fremden mit ihren Jagdausflügen auf den Blauen Planeten. Auf der Erde holen die Regierungen der führenden Industrienationen zum Gegenschlag aus und gründen die Geheimorganisation S.H.A.D.O. (für: Supreme Headquarters Alien Defense Organisation) mit Commander Ed Straker an der Spitze. Die Organisation, deren Zentrale tief unter den Harlington Straker-Studios versteckt liegt, ist mit modernster (Kampf)-Technologie ausgestattet. An vorderster Front liegt die mit Mobilen und Abfangjägern ("Interceptors") bestückte Mondbasis auf der Lauer.

 

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Beim Lauschangriff ins All wird sie von S.I.D. (für: Space Intruder Detector), einem um die Erde kreisenden Satelliten unterstützt. Gelingt es einem anfliegenden Ufo, diesen Verteidigungsgürtel zu durchbrechen, liegt unter dem Meer eine Flotte von "Skydiver" auf der Lauer: hochmoderne U-Boote, bestückt mit Kampfflugzeugen, die unter Wasser zum Luftkampf starten.Die Ausstattung läßt die Handlung vorausahnen: Tatsächlich wird die Erde in jeder Folge von Ufo-Schwärmen angegriffen, jede dritte bis vierte Episode erleidet S.H.A.D.O. den Ausfall eines Abfangjägers. Gerät ein Außerirdischer in menschliche Gefangenschaft, so stirbt er spätestens am Ende der Geschichte. Kommen die Ufo-Nauten mit ihrem konventionellen Angriffsschema einmal nicht weiter, dann greifen sie ins Arsenal der Psycho-Waffen und machen aus S.H.A.D.O.-Offizieren übernatürlich begabte Agenten. In der Episode "Töten Sie Straker" wird Chefpilot Paul Foster (Michael Billington) während eines Shuttle-Landeanfluges darauf "umprogrammiert", seinen Chef Ed Straker zu töten. In "Die fremde Kraft" werden drei Einheimische von den Außerirdischen entführt und mit Superkräften versehen in den Kampf gegen S.H.A.D.O. geschickt: Mühelos verbiegen sie Stahltüren und nehmen es sogar mit U-Booten auf. In den Episoden "The Long Sleep" und "Timelash" sind es wiederum Drogen, die den Realitätsbegriff der Protagonisten zerstören. Da diese Episoden auch stilistisch und kameratechnisch so aufgenommen wurden, daß (alp-)traumhafte Sequenzen entstanden (Verwischer und Weichzeichner, Zeitlupe, Sepiafilter, Spotfilter etc.), wurden sie in zahlreichen Ländern bis heute noch nicht ausgestrahlt (z.B. in Österreich, Deutschland und der Schweiz).

Der originellste Angriff auf die Erde erfolgte in "Tödliche Träume": Nach dem Absturz eines Ufos, nur wenige Kilometer von der Mondbasis entfernt, findet man in den Überresten des Flugkörpers einen seltsamen Stein, der in den Astronauten Wahnvorstellungen auslöst. Als Straker den Stein berührt, findet er sich in einer Halle der Harlington-Straker Filmstudios wieder. "Cut!", schreit Sylvia Anderson und wechselt ein paar Worte mit Paul Foster, der langsam aus der Dekoration wandert. Die Kommandozentrale, die Skydiver, die Mondbasis - alles nur Kulisse; und 26 Minuten ist Ed Straker dort, wo sich der Zuschauer am Ende befindet. Die Idee, Serienfiguren in die "wirkliche Welt" zu transferieren, hat sich mittlerweile ins Bewußtsein weiterer Regisseure eingeschlichen - die letzte Folge von "Moonlightning" (Das Model und der Schnüffler), in der die Cybill Sheppard und Bruce Willis den Produzenten bekniehen, doch noch eine weitere Season zu wagen, ist nur eines der neueren Beispiele.

Trotz des vergleichsweise simplen Plots unterschied sich U.F.O. deutlich von anderen Serien aus den 70ern. Einerseits waren die Trickaufnahmen außergewöhnlich perfekt gemacht (auch wenn jede Tricksequenz pro Folge mindestens fünfmal zu sehen ist); zum anderen war das von Sylvia Anderson stammende Produktions-Design seiner Zeit um Jahre voraus. U.F.O. sollte in den 1980er-Jahren spielen und genau dieses Jahrzehnt spiegelt sich in der Ausstattung wieder, von Büros (schnurlose Telefone, Wandbildschirme, High-Tech Möbel etc.) über Autos (stromlinienförmig, mit nach oben aufklappbaren Türen und selbstverständlich mit Bordfunk bestückt) bis hin zum tragbaren Textil (beten Sie, daß die Zeit der Plateausohlen und Stulpenhosen ein für alle Mal vorüber ist!). Erinnerungswürdig sind die violetten Frisuren der Damen im Mond, wobei aber die Frage offen bleibt, ob die Farbe wohl praktisch oder lasziv zum Einsatz kommen soll. In "Der erste Alarm" legt uns Gerry Anderson jedenfalls den Arm um die Schulter und lässt uns durch's Schlüsselloch schauen. Der Blick in die Umkleidekabine der weiblichen Stationsbesatzung verrät allerdings auch nichts über die Herkunft der Haarfarbe.

Die winzigen Details, die U.F.O. über beliebige andere Weltraum-Western hinaushoben, tragen die Handschrift der Andersons - U.F.O. war letztendlich nicht nur Gerry Andersons größter Erfolg sondern auch seine erste Arbeit mit realen Schauspielern. Zuvor hatte er phantastische Serien mit Puppen in Szene gesetzt, wie etwa die "Thunderbirds", deren Dekor dem von U.F.O. nicht nur in den erwähnten Details verblüffend ähnelt. Bis Anderson im Jahr 1983 mit "Terrahawks" wieder zum Puppentrick zurückkehrte, blieb er dem Realfilm treu. Nach U.F.O. drehte er zunächst die Agentenserie "The Protectors" (mit Robert Vaughn in der Hauptrolle als Harry Rule), danach "Space 1999" (Mondbasis Alpha 1) mit Martin Landau und Barbara Bain. MA1 gilt als die Fortsetzung von U.F.O. mit anderen Mitteln. Obwohl Gerry Anderson das Konzept für eine zweite Season schon vollständig ausgearbeitet hatte, stand ITC auf der Bremse und wollte lieber etwas Neues haben. Anderson entwarf daraufhin das Alpha 1-Szenario, in das er zahlreiche Elemente aus U.F.O. übernahm. Den Erfolg von U.F.O. konnte er mit der Mähr um einen aus der Umlaufbahn gerissenen und das Universum auf gefahrvoller Reise durchquerenden Erdmond allerdings nicht wiederholen.
(c) 1996 Leseprobe aus dem Buch: Kultserien im Fernsehen von Christian Haderer und Wolfgang Bachschwöll - Seite 389 - 396 (Heyne-Verlag, München ISBN3-453-09404-2)


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